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27. Mai 08

Blog Analytics - wie man den Erfolg von Weblogs messen kann

Weblogs nehmen einen ständig steigenden Stellenwert im Web ein. Die Funktion und Ausrichtung von Blogs ist dabei in vielen Bereichen ähnlich zu normalen Websites, in einigen Kriterien unterscheiden sie sich jedoch massiv von diesen. Die wohl zentralste Unterscheidung ist der Fokus von Blogs auf den Dialog mit dem Publikum, so dass diese als Prosumenten – eine Wortkreation aus Produzenten und Konsumenten – in die Gestaltung der Inhalte mit eingebunden werden.

Für die Analyse der Blognutzung können als Basis die selben Metriken wie für eine Website herbeigezogen werden. Zu den wohl hilfreichsten darunter zählen Seitenaufrufe, Besucher, einkommende Links oder die Nutzung von RSS-Inhalten. Darüber hinaus gibt es jedoch einige blogspezifische Kennzahlen, welche insbesondere den Erfolg der Dialogfunktion zu messen versuchen. Dazu zählen:

  • Durchschnittliche Anzahl Besucher-Kommentare je Post: Dies misst die Feedbacks von verschiedenen Benutzer auf eine Blogeintrag. Falls vom System ermöglich, sollten Rück-Kommentare des Autors auf ein Benutzerkommentar im Durschschnittswert nicht berücksichtigt werden.
  • Durchschnittliche Anzahl Trackbacks je Post: Trackbacks sind Links, welche andere Blogger auf den eigenen Post gelegt haben und über einen automatischen Benachrichtigungsmechanismus zwischen den betreffenden Blogs festgehalten werden. Ein Trackback ist somit als Qualitätsmerkmal für einen Post zu werten
  • Technorati Rank: Technorati ist die wohl bekannteste Blog-Suchmaschine. Technorati führt überdies eine Liste aller registrierter Blogs und prüft deren Vernetzung untereinander. Die Blogs, welche am meisten Links von anderen Blogs erhalten, erscheinen zuoberst auf der Liste. Der Technorati Rank bezeichnet demnach die Reputation eines Blogs im Vergleich zu anderen. Sie kann als Indikator genutzt werden, wie stark der eigene Blog im Netz wahrgenommen wird.

Leider sind sämtliche dieser Angaben meist kaum in einem Web Aanalytics System zu finden. Stattdessen muss die Anzahl Kommentare und Trackbacks aus dem Blog-System ausgelesen werden, welches für die Publikation der Inhalte verwendet wird. Das Ausrechnen des Schnitts auf den einzelnen Post bleibt jedoch im Normalfall Aufgabe des Taschenrechners. Auch das Überprüfen des Technorati-Ranks erfolgt manuell durch Aufruf des Blogs.

Nutzungsempfehlung und Interpretationshilfen für Blogger
Viele Blog-Leser nutzen RSS-Feeds um die verschiedenen Blogs ihrer Wahl schnell auf neue Posts überprüfen zu können. Dies hat zur Folge, dass nach einem neuen Post typischerweise die Seitenaufrufe des betreffenden Posts in die Höhe schnellen. Mehr als bei normalen Websites haben Seitenaufrufe und deren zeitlicher Verlauf deshalb eine Bedeutung in der Nutzungsanalyse von Blogs. Nutzen Sie die Metrik der Seitenaufrufe deshalb, um das Interesse am Inhalt eines einzelnen Posts zu beurteilen und zu verstehen:

  • Ein kurzfristiger Anstieg der Seitenzugriffe nach einem Post lässt insbesondere auf RSS-Nutzer zurückführen. Dies bedeutet für den Inhalt des Posts: Der Titel des Posts ist attraktiv formuliert, das Thema ist aktuell und interessant für die bestehende Leserschaft. Erstellen Sie in naher Zukunft Posts zum gleichen Thema.
  • Eine langfristig hohe Zahl Seitenzugriffe auf einen Post ist eher auf Nutzer aus Suchmaschinen oder über Verlinkungen von anderen Blogs her zurückzuführen. Dies bedeutet, dass das im Post behandelte Thema insbesondere auch neue Besucher anspricht. Versuchen Sie deshalb mittelfristig über ähnlich gelagerte Inhalte zu bloggen.

Um interessante Themengebiete herauszufinden lassen sich auch Inhaltsgruppen einsetzen, sofern das Web Analytics System dies unterstützt. Eine mögliche Gruppierungsstrategie für Blogs ist, die Gruppen übereinstimmend mit den Blog Tags zu benennen. Mehr eine qualitative statt quantitavie Aussage zu den Inhalten eines Blogs geben natürlich die einzelnen Besucher-Kommentare auf Posts. Zu beachten ist allerdings, dass nur ein Bruchteil der Besucher aktiv ein Kommentar zu einem Post abgibt und die grosse Menge immer noch lediglich konsumiert.

Um die Dialogaufgabe des Blogs zu überwachen sollten Sie überdies die durschschnittliche Anzahl Kommentare und Trackbacks je Post wöchentlich monitoren – zumindest dann wenn Sie mehrere Posts pro Woche schreiben. Setzen Sie sich dabei je Post ein Ziel, das sie erreichen möchten – also zum Beispiel zwei Trackbacks und drei Kommentare je Post.

Der Technorati Rank schlussendlich hat eher eine langfristige Aussage über das Weblog insgesamt und weniger für einzelne Posts. Eine monatliche Überwachung dieser Kennzahl ist deshalb ausreichend.
Mit zu den zu analyisierenden Bereichen eines Blogs zählt natürlich auch der RSS-Feed des Blogs, da ein grosser Teil der Inhalte darüber konsumiert wird. Die Analyse von RSS-Feeds steckt allerdings noch etwas in den Kinderschuhen. Bei RSS Inhalten sollte man insbesondere die Anzahl Abonnenten, die tägliche Reichweite und die Top 10 der Aktivitäten auf Inhalte (wie Betrachtungen oder Clicks) monitoren. Als nützliche Alternative falls das eigene Web Analytics System keine RSS-Analyse unterstützt (was bei clientseitigen Systemen meist der Fall ist), bietet sich Google Feedburner an. Darüber kann nicht nur der Feed verbreitet werden, sondern auch Zugriffstatistiken ausgewertet werden.

FeedburnerSubscriber

Google hat übrigens kürzlich eine Beta eines Blog Analytics Systems gelauncht - Erfahrungsberichte dazu von den privilegierten Beta-Testern gerne willkommen.

Beachtungspunkte zu den Kennzahlen
Setzen Benutzer einen Feedreader ein, um neue Posts eines Blogs zu überwachen, ist ihr Verhalten im Vergleich zu einer normalen Website speziell. Nicht nur, dass sie unter Umständen Inhalte bereits im Feedreader lesen und den Blog gar nicht besuchen. Auch das Verhalten auf dem Blog ist anders als auf einer Website. Statt mehrere Seiten anzuschauen ist es nämlich fast üblich, lediglich den neuen Post zu lesen und dann den Blog wieder zu verlassen. Verstärkt wird dies noch dadurch, dass die Starseite des Blogs meist aus den letzten fünf bis zehn Posts besteht, so dass auf einer Seite mehrere Posts gelesen werden können. Diese Spezifika wirken sich auf einige der für Websites verwendete Metriken aus:

  • die Absprungrate auf Blogs sind entsprechend hoch
  • die Zahl der Einzelseitenzugriffe ist hoch
  • in der Konsequenz kann bei Einzelzugriffen auch die Verweildauer nicht gemessen werden, da diese nur aus der Zeitdifferenz zum Aufruf einer Folgeseite berechnet werden kann

Blogs sollten deshalb nicht unter Verwendung dieser Metriken mit einer Website verglichen werden. Wer sich für weitere Metriken rund um Bogs interessiert, dem sei die Lektüre der 10 Erfolgsfaktoren für Blogs von Timo Aden nahegelegt.

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Über den Autor

  • Marco Hassler ist Business Unit Manager und Partner beim IT- und Web-Dienstleister Namics.

    marco.hassler (at) gmail.com

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