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23. März 09

Tod dem PageView: Gelesene Seiten statt Seitenaufrufe messen!

Nachdem die "Hits" schon lange den Web Analytics Tod gestorben sind, ist nun auch der PageView langsam aber sicher am Ende seines Lebens angelangt. Heutige Anwendungen wie Bewegtbild, Kartenanwendungen, Rich Internet Applications können mit dem PageView-Modell schlichtweg nicht mehr sinnvoll gemessen werden. Aber auch sonst gibt es kaum noch ein Anwendungsfall, wo die PageView-Messung zielführend wäre - mit Ausnahme vielleicht von Portalseiten, welche noch Banner auf PageView-Basis verkaufen können.

Was bei einer zielorientierten Nutzung von Web Analytics mehr interessiert, ist ob die gesteckten Ziele erreicht wurden bzw. Conversions erfolgt sind. Je nach dem Website-Ziel, das man sich gesteckt hat, kann eine Conversion auch sein, dem Besucher bestimmte Werte vermittelt zu haben. Angenommen ein Unternehmen verfolgt mit der Website hauptsächlich ein Branding- oder Kommunikations-Ziel - was beim Grossteil der Grossunternehmen der Fall sein dürfte - dann kann es zweckmässig sein, das Lesen bestimmter Inhalte als Conversion zu definieren. Liest ein Besucher wirklich einen Unternehmensbeschrieb, Key Figures oder das Interview mit dem CEO, dann kann man durchaus sagen, das dadurch bestimmte Werte vermittelt und ein Stück weit das Ziel der Website erreicht wurde. Nur, der PageView sagt relativ wenig darüber aus, ob eine Seite nun wirklich gelesen und somit die Message rübergebracht wurde - oder ob die Seite lediglich kurz angeklickt und überflogen, oder direkt wieder verlassen wurde.

Abhilfe schaffen hier sogenannte "Events", die designierten Nachfolger und Ablöser des PageViews. Ein Event ist ein Ereignis, das in einer bestimmten Situation eintritt, z.B. wenn der Benutzer auf einen Link klickt, einen Film startet oder in eine Kartenanwendung hinein- oder herauszoomt. Genau so wie sich Rich Internet Applications und Movies damit messen lassen, können Events auch für die feinere Messung von anderen Website-Zielen eingesetzt werden. Im konkreten Fall eines Kommunikations- und Branding-Ziel ist es mein Vorschlag, das Lesen einer Seite dadurch zu messen, ob eine Seite ausreichend lange betrachtet wurde. Braucht man zum schnellen Lesen des CEO-Statements zum Beispiel 45 Sekunden, dann sollte man einen Event definieren, der sich nach dieser Zeit automatisch auslöst. Um die Messung nicht zu verfälschen, darf die Stoppuhr natürlich nur laufen, solange sich die Seite auch wirklich auf dem Bildschirm befindet und nicht durch irgendwelche andere Fenster überdeckt wird.

Zu kompliziert für ein einfaches Web Analytics System? Nein. Folgendes kleine Script (jetzt wirds etwas technisch) zeigt, wie man dies in Google Analytics lösen kann:

Im <body>-Tag der betreffenden Seite folgendes unterbringen:

<body onunload="calculateViewDuration()" onblur="stoppingTime()" onfocus="startingTime()">

Dies ist die eigentliche Stoppuhr, welche läuft, solange sich die Seite im Vordergrund des Bildschirms befindet.

Im <head>-Bereich der gleichen Seite folgendes Skript unterbringen:

<script type="text/javascript"> 
 
var start;
var startTime;
var eventFired = 0;
var eventTracked = 0;
var duration = 0;
var diffTime;

startingTime();

function startingTime() {
 start = new Date();
 startTime = start.getTime();
 eventFired = 0;
}

function stoppingTime() {
 var end = new Date();
 var endTime = end.getTime();

 diffTime = Math.floor((endTime - startTime) / 1000);
 
duration +=  diffTime;
}

function calculateViewDuration () {
 stoppingTime();
 if (eventFired == 0)
 {
   eventFired = 1;
   if (duration > 44 && eventTracked == 0)
   {
     eventTracked = 1;
     pageTracker._trackPageview('/events/View45Sekunden');
   }
  } 
}

</script>

Die Funktion calculateViewDuration() wird ausgelöst, sobald der Benutzer das Browserfenster schliesst oder auf eine andere Seite surft. In dem Moment wird der Event ausgelöst, falls dies Seite mindestens 45 Sekunden betrachtet wurde. Im obigem Fall wird mittels pageTracker._trackPageview('/events/View45Sekunden');ein virtueller Seitenaufruf an Google Analytics gesendet. In der Auswertung sieht das dann wie folgt aus:

PageView_Tracking 

Hinterlegt man den Seitenaufruf als Ziel in der Analytics-Konfiguration, dann lassen sich auch Conversions damit abbilden:

Goal_Tracking

Zugegebenermassen ist dies noch etwas eine Krücke, da ein Event somit trotzdem als eigentlicher Seitenaufruf im Analytics System endet, wenngleich es sich um einen Event und keinen Seitenaufruf handelt. Empfehlenswert ist daher, diese virtuellen Seitenaufrufe in einem ebenfalls virtuellen Verzeichnis "/events/" abzulegen, wie im obigen Beispiel gezeigt. Somit lassen sich sich einfacher in den Auswertungen finden und anschliessend auswerten. Google hat scheinbar auch gemerkt dass das nicht ganz so intelligent ist für die Event-Messung und führt deshalb in Kürze einen eigenen Abschnitt in der Content-Auswertung ein, welcher für Events reserviert ist (momentan nur als Beta und auf Antrag in Google Anlytics verfügbar). Damit lassen sich dann Events wie der obige über folgenden Aufruf tracken: pageTracker._trackEvent('Seitenbetrachtung', 'CEO Statement', '45 Sekunden'); In der Auswertung wird dies dann wesentlich eleganter und wie folgt aussehen:

Event_Tracking

Wer ein solchen Event-Tracking im Einsatz sehen möchte: Ganz einfach den Quellcode dieser Seite anschauen. Denn auch für Blogs ist eine solche Messung wesentlich zielführender als der sterbende PageView!

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Kommentare

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Sehr guter Artikel. Page Views sind wirklich der nächste Web Analyse Dino. Die Aussagekraft ist seit AJAX einfach nicht mehr gegeben.

Danke für Erklärung und Code!

Noch cleverer wäre meiner Meinung nach zu schauen, bis wohin der User runtergescrollt hat.
Müsste mit JS imho auch gut gehen (siehe Google-Reader gelesen-markierung beim Scrollen)

Dann könnte man das auslösen, sobald der User das Ende des Artikels/Seite in den Fokus bekommt.

Grüße
Kai

@Kai
Danke für den Input, das sollte auch gehen mit JavasScript. Ich würde es allerdings kombinieren: Der Goal-Event wird erst ausgelöst nach einem Minimum an Zeit UND wenn die Seite bis zu Ende gescrollt wird: Jemand der die Seite liest, wird zwangsläufig bis zu Ende scrollen müssen. Es kann aber sein, dass ein "Überflieger" nur kurz bis zum Ende scrollt um sich einen Überblick zu verschaffen - ohne die Seite zu lesen.

Dem letzten Kommentar von Marco stimme ich zu.

Kombination von Zeit und Endpunkt auf der Seite ist eine Metrik mit richtig guter Aussagekraft.

Eine "Scrollview" gibt es übrigens schon bei AT Internet. Dort kann man sehen, wieviel % der Nutzer welchen Teil der Seite sehen.

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Über den Autor

  • Marco Hassler ist Business Unit Manager und Partner beim IT- und Web-Dienstleister Namics.

    marco.hassler (at) gmail.com

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